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Zur Geschichte des Posaunenchores Dörverden

Als Ursprungsort der Posaunenchöre in unserem Land ist Hermannsburg anzusehen. Aus der Glaubensbewegung, die von dort ausging und 1849 zur Gründung der Hermannsburger Mission führte, ergab sich bald, dass der Gemeindegesang und der Lobpreis Gottes der Instrumente bedurfte und viele junge Leute bereit waren, sich daran zu üben. Der Missionsgedanke breitete sich im ganzen norddeutschen Raum mit erstaunlicher Kraft aus. „Lasst uns auch hier bei uns mit unserer geringen Kraft etwas für die Ausbreitung des Glaubens und der Mission tun!“ Das wurde der Leitgedanke unzähliger Missionsfeste, die man bald in den Gemeinden Jahr um Jahr feierte. Die Brüder Louis und Theodor Harms ließen sich gerne dazu bitten und sie brachten dazu auch ihren Posaunenchor mit. Das führte an vielen Orten zu der Anregung, ebenfalls einen Posaunenchor zu gründen. In unserer Umgebung sind hier zunächst Tarmstedt 1860 und Fischerhude 1867 zu nennen. In Achim kam es 1893 und in Kirchlinteln 1899 zur Gründung eines Posaunenchores und auf das Jahr 1900 blicken die Chöre in Otterstedt und Posthausen zurück.

In Dörverden sagte Pastor Österley in den Abkündigungen am 1. Advent 1909: „Diejenigen, welche sich für die Gründung eines Posaunenchores interessieren, werden gebeten, sich am Donnerstagabend in der alten Schule einzufinden.“ Man ging mit Eifer ans Werk. Noch am 23. Dezember soll ein Übungsabend stattgefunden haben. Am 2. Ostertag 1910 konnte Pastor Österley der Gemeinde verkünden: „Der Versuch, einen Posaunenchor zu gründen, ist gelungen. Gott zur Ehre, den Mitgliedern und der Gemeinde zur Erbauung und Freude, so lautet die Bestimmung. Die Instrumente gehören nicht den Bläsern, sondern dem Chor im Ganzen. 500 Mark hat der Chor zur Beschaffung der Instrumente anlegen müssen, und rechnet nun darauf, dass die Gemeinde, der er dienen soll, ihm nach und nach die Schuld abnimmt. Allen Gliedern der Kirchengemeinde, die heute die Lobpreisung des Auferstandenen gehört haben, ist Gelegenheit gegeben, sich durch ihre Gaben an dem schönen Werke zu beteiligen und die Mitwirkenden zu immer größerem Eifer anzuspornen. Dafür stehen heute die Becken an den Kirchtüren. Es gehe niemand vorüber, ohne nach seinem Vermögen reichlich einzulegen.“    

 Die Entwicklung des Dörverdener Chores wurde, wie zu verstehen ist, durch den bald ausbrechenden ersten Weltkrieg gehemmt. Aber am Erntedanktag 1919 rief Pastor Cordes die Bläser zu einem Treffen auf und man begann mit neuem Eifer. Die Chorgemeinschaft festigte sich und hatte nach 10 Jahren ihres Bestehens Lust, sich mit den Chorgründern Pastor Österley und dem ersten Dirigenten Lehrer Fricke einem Fotografen zu stellen. Sechs Flügelhornbläser und sechs Bläser mit einem Bass- bzw. Tenorhorn, dazu ein Helikonbläser blicken uns auf diesem Foto an.

 Im Jahre 1922 übernahm Adolf Stöhlker die Leitung des Chores. Er war wie sein Vorgänger Lehrer an der Stedorfer Schule. Weil auch die ersten Bläser mehrheitlich aus Stedorf waren, wurde auch häufig vom Stedorfer Posaunenchor gesprochen. Adolf Stöhlker leitete den Chor bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. Er war auch Ortsgruppenleiter der NSDAP. Die ideologischen Auseinandersetzungen belasteten auch den Chor und sein Verhältnis zum Gemeindepastoren. Pastor Cordes amtierte von 1912 bis 1928. Sein Nachfolger Pastor Knop wich 1935 den Spannungen aus, die sich aus den Überwachungen seiner Predigten ergaben.

 Am Himmelfahrtstag 1934 konnte man das 25-jährige Jubiläum feiern, als „ein Fest zur Ehre Gottes, zum Segen unserer Kirche, zur Förderung des kirchlichen Lebens in der Gemeinde und zu Nutz und Frommen des Volkes“, wie Pastor Knop notiert hat. Er zählte auch die Einsatzmöglichkeiten des Chores auf: „Bei Missionsfesten, besonderen Gottesdiensten, Familien- Jubiläumsfeiern, vaterländischen Gedenktagen, Pflege des evangelischen Chorals."

Von 1939 bis 1945 ruhte die Tätigkeit des Posaunenchores. Sechs ehemalige Bläser kamen im Kriege zu Tode. Andere aber waren 1946 bemüht, den Chor neu zu beleben. Dazu fanden sich Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten, die schon des Blasens kundig waren. Außerdem traf die Initiative auf das Interesse genügend junger Leute, sodass es zunächst nur an Instrumenten mangelte. Die Leitung des Chores übernahm zunächst Diakon Schäfer und danach Eduard Meister. Eduard Meister hatte schon in seinem Heimatort Birkheide bei Thorn musiziert und war von 1941 bis 1943 als Soldat Bläser im Regimentsmusikcorps. Eduard Meister war ein leidenschaftlicher Bläser, der sich neben seiner Berufsarbeit ganz der Chorarbeit und dem Blasen widmete. 

Im Sommer 1948 nahm der Chor an dem Landesposaunenfest in Wilstedt teil. Dieses Fest mit etwa 400 Bläsern bei schönem Wetter unter schattenspendenden Eichen, erlebte der Chor als großes Ereignis und empfing dort die Anregung, den Landesposaunenwart Georg Denks nach Dörverden einzuladen, der auch im Herbst hier zu einem Übungsabend anreiste.

Der Chor zählte 1948 schon 16 Bläser, und man hatte den Mut, zu einem Kreisposaunenfest einzuladen, das am 8. August 1948 unter Krauls Eichen in Stedorf mit Bläsern aus Oyten, Kirchlinteln, Oiste, Westen und Visselhövede veranstaltet wurde.

Die Feier zum 40-jährigen Jubiläum des Chores war am 21. Mai 1950 eine ganztägige Veranstaltung. Im Vormittagsgottesdienst in der Kirche waren Bläser aus Dörverden, Westen, Heemsen und Eitzendorf zu hören, die zu Mittag mit einem Erbseneintopf auf dem Hofe von Heinrich Höltje in Stedorf versorgt wurden und am Nachmittag zusammen mit weiteren Bläsern aus Achim, Bendingbostel, Kirchlinteln, Blender, Oiste, Posthausen, Oyten, Wechold, Magelsen, Schwarme, Hoyerhagen und Visselhövede musizierten. Etwa 225 Bläser konnten sich bei herrlichem Wetter unter Krauls Eichen in Stedorf entfalten. Es war ein besonderes Erlebnis für die Bläser und die Zuhörer angesichts der vielen traurigen Erlebnisse vieler Menschen in der Vergangenheit und den Belastungen in der Gegenwart. Die folgenden Jahre waren durch rege Weiterarbeit und viele Einsätze geprägt.

Im Jahre 1964 übernahm Eduard Meister die Leitung des Westener Chores und Helmut Riekenberg leitete den Chor in Dörverden. Das 60-jährige Bestehen des Chores wurde am 21. Juli 1970 gefeiert. Die musikalische Leitung der Chöre aus dem Kirchenkreis Verden lag in den Händen von Landesposaunenwart Hans Jürgen Lange und die Festpredigt hielt Landessuperintendent Hoyer.

1971 wurde Heinz Breitlow Leiter des Dörverdener Chores, dem er seit 1956 angehörte. Als Lehrer gelangte er an die Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe in Dörverden und davon profitierte auch der Posaunenchor. Viele der gegenwärtigen Mitglieder verdanken ihm die Ausbildung.

 In dieser Arbeit fand Heinz Breitlow Unterstützung durch Friederike Wessel, die immer wieder junge Menschen für den Posaunenchor gewinnen konnte. So stieg die Zahl der Chormitglieder, die sich bald zwischen 30 und 40 bewegte. Auch wenn für manche der jugendlichen Anfänger die Bläserei nicht zur liebsten Freizeitbeschäftigung wurde und ihre Entwicklung andere Wege nahm, so zeigt sich hier doch ein sinnvoller Zweig kirchlicher Jugendarbeit.

 Der Chor erinnert sich gern an schöne Unternehmungen. 1975 reiste der Chor nach England. Pastor Klaus Bieber und die dortige deutsche Gemeinde in Bradford hatten dazu eingeladen.

Im Jahre 1977 besuchte uns ein Posaunenchor aus Mannheim (Heddesheim), dessen Leiter Erwin Häusser in den Jahren 1945 bis 1947 einmal Dörverdener Bläser war. Dieser Besuch wurde 1978 von dem Dörverdener Chor erwidert und als besonderes Erlebnis empfunden.

 Am 15. Juli 1979 wurde unter den Eichen bei der Barmer Kirche ein Kreissänger- und Posaunenfest gefeiert. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Günter Kruse, Posaunenwart Klaus Kanitz und Heinz Breitlow sangen und musizierten Chöre aus 14 Gemeinden. Die Festpredigt hielt Militärdekan Gerhard Cordes.

Auch das 75-jährige Chorjubiläum wurde mit einem Fest bedacht. Den Vormittagsgottesdienst in der Kirche am Sonntag, den 16. Juni 1985, gestaltete musikalisch der Jubiläumschor. Die Nachmittagsfeier war ein Kreisposaunenfest in der Turnhalle mit einer Festpredigt von Oberlandeskirchenrat Hans Joachim Rauer. Die musikalische Leitung hatte Posaunenwart Klaus Kanitz.

Jürgen Reinhardt aus Dörverden studierte Theologie und wurde Pastor in Klingenmünster / Pfalz. Auf seine Einladung machte der Posaunenchor dort im Mai 1989 einen Besuch, der im Mai 1997 noch einmal wiederholt wurde. Der entsprechende Gegenbesuch aus Klingenmünster fand im Juni 1998 statt.

Eine weitere Leistung ist dem Bemühen von Heinz Breitlow zu verdanken, nämlich die Aufnahme einer CD bzw. MC im Jahre 1996. Es wurden alte und neue Choräle und Kompositionen aufgenommen. Die Kosten konnten durch den Verkauf reichlich ausgeglichen werden.

Im September 1999 wurde das 90-jährige Bestehen des Posaunenchores in drei besonderen Veranstaltungen festlich begangen. Musikalischer Höhepunkt war das Jubiläumskonzert am 24. September, in dem unter anderem Werke von J.S. Bach, Händel, Pachelbel, Haydn, aber auch neuzeitliche Stücke viel Applaus ernteten.

Im Festgottesdienst am 26. September, in dem auch der Kirchenchor mitwirkte, war der Posaunenchor sowohl in der Choralbegleitung als auch mit eigenen Bläsermusik-Vorträgen aktiv. Im anschließenden Festempfang dankte Pastor Haar den Bläsern und Bläserinnen des Chores sowie dem Leiter Heinz Breitlow für die aktive und leistungsstarke ständige Mitarbeit in der Kirchengemeinde. Auch Bürgermeister Falldorf und Oberkreisdirektor Jahn würdigten die musikalische Qualität und die große Bedeutung des Posaunenchores für das gesamte kulturelle Leben. 

Seit 2004 leitet Torsten Meinke den Chor. Er ist seit 1985 Chormitglied und hat von 1994 bis 1997 an der Hochschule für Künste in Bremen das Fach Trompete studiert. In der Anfängerausbildung unterstützt ihn Friederike Wessel, die auch Stellvertreterin in der Chorleitung ist.

Im März 2005 war der Chor eine Woche in Heviz / Ungarn. Pastor Klaus Bieber, der am Plattensee eine Urlauberseelsorge übernommen hatte, lud den Chor dazu ein.

Nur fleißige Bläser können gute Leistungen erbringen. Darum ist der Chor auch nicht nur an Festtagen zu hören, sondern auch in vielen Gottesdiensten und kann dort gegebenenfalls auch den Organisten ersetzen. An Gedenktagen in den Ortschaften und auf den Friedhöfen ist der Chor unverzichtbar, ebenso auf dem Nikolausmarkt und bei ähnlichen Veranstaltungen. Bitten zu einem Geburtstags- oder Jubiläumsständchen werden selbstverständlich erfüllt. Alljährlich gelangt der Chor so auf annähernd 100 Übungs- und Vortragseinsätze.

 

(Klaus-Heinrich Hinrichs)